Geschichte

Die Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e.V. (GVG) wurde am 9. Mai 1947 in einer Zeit gegründet, die geprägt war von den Folgen des Zweiten Weltkrieges. Selbstverwaltet, dezentral und eigenverantwortlich schlossen sich hier Institutionen und Persönlichkeiten zusammen, die das System der sozialen Sicherung in Deutschland aktiv gestalten wollten. Von Beginn an arbeiteten hier also Privatversicherung und Sozialversicherung zusammen. Bereits im Gründungsjahr 1947 fanden am 16. September und 17. Oktober in Bielefeld und Rothenburg zwei GVG-Tagungen statt, die sich im Kern mit der Zukunft der Sozialversicherung befassten und in der sogenannten „Bielefelder Entschließung zur Reform der Sozialversicherung“ mündeten.

In Publikationen und Veranstaltungen wurden und werden seither Kernfragen der Sozialversicherung thematisiert. So war die Anhebung der Altersgrenzen in der gesetzlichen Rentenversicherung in den GVG-Gremien ebenso Thema wie Nutzen und Kosten des medizinisch-technischen Fortschrittes oder die Weiterentwicklung der Pflegeversicherung, die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Alterssicherung und die Ausgestaltung des Flexicurity-Konzepts (erhöhte Flexibilität am Arbeitsmarkt verknüpft mit entsprechender sozialer Absicherung, in ausgewählten EU-Ländern).

Integraler Bestandteil der GVG-Aktivitäten war von Beginn an der Blick über den deutschen Tellerrand hinaus. Sowohl mit grundsätzlichen Themen wie „Tuberkulose in Europa“, „Amerikanische Versicherungssorgen“, „Die Sozialversicherung in der Sowjetunion“ als auch spezifischen Fragestellungen wie der „Reform der sozialen Sicherung in Italien“ beschäftigte sich die GVG bereits Ende der 1940er Jahre. Nach dem Fall der Mauer, also seit dem Ende der 1980er Jahre arbeitete die GVG mit zahlreichen Ländern im Rahmen konkreter sozialpolitischer Projekte zusammen. Im Auftrag der Bundesregierung, der Europäischen Union und anderer Träger hat die GVG im Zuge der Osterweiterung der EU die künftigen Mitgliedstaaten beim Umbau ihrer Sozialsysteme begleitet. In den letzten Jahren engagierte sich die GVG auch vermehrt in Asien sowie vereinzelt in Afrika und Lateinamerika.

Vor diesem Hintergrund führte die GVG in den 70 Jahren ihres Bestehens und führt bis heute in ihren Ausschüssen, Veranstaltungen und Publikationen bisweilen kontroverse, aber immer um Konsens bemühte sozialpolitische Debatten.