Gesundheit und Pflege

Die Gesundheits- und Pflegepolitik sind Kernthemen der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e.V. (GVG). Sie werden im Ständigen Ausschuss für Gesundheit und Pflege von den Mitgliedern diskutiert und bearbeitet. Zentrales Ziel ist die Sicherstellung einer angemessenen, qualitätsgesicherten und nachhaltig finanzierten Gesundheitsversorgung. Die GVG setzt sich auseinander mit sektorenübergreifenden und langfristigen Fragestellungen zu Finanzierungsstrukturen in der Krankenkasse und im Krankenhaus sowie mit der Neuregelung und Verbesserung der Pflege. Dem Einsatz von telemedizinischen Anwendungen im Gesundheitswesen kommt in diesem Kontext eine zentrale Bedeutung zu.

Die GVG hat in den vergangen 40 Jahren die gesundheits- und pflegepolitischen Debatten intensiv aufgegriffen und sich mit entsprechenden Lösungsansätzen auseinandergesetzt. In den 1970er und 1980er Jahren standen die Themen um die Kostenentwicklung in der Krankenversicherung – gesetzliche wie private –, im Krankenhaus sowie auf dem Arzneimittelmarkt im Mittelpunkt der GVG-Aktivitäten. Aufgrund der finanziellen Engpässe der Sozialversicherungsträger und der insgesamt steigenden Ausgaben für Sozialhilfe in den 1980er Jahren, wurde von Kommunen und Gemeinden gefordert, das Risiko der Pflegebedürftigkeit durch Einführung einer eigenständigen Versicherung nachhaltiger zu gestalten. Das Themenfeld Pflege wurde vom Präsidium der GVG 1983 in einem Diskussionsbeitrag zur damals aktuellen Diskussion über die Neuregelung des Risikos der „Pflege“ behandelt. Im Jahr 1986 wurde erneut eine Erklärung der GVG zu den Vorschlägen einer obligatorischen Pflegeversicherung abgegeben. Der damalige Fachausschuss Pflege hatte diese verabschiedet und gewichtige ordnungs- und finanzpolitische Einwände erhoben. Zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung bezog die GVG auch 2003 Stellung und bekannte sich ausdrücklich zu der sozialpolitischen Werteentscheidung, das Pflegerisiko und seine Vermeidung über verschiedene Verantwortungsträger abzusichern. In den 1990er Jahren rückte die Versorgungsqualität in den Mittelpunkt des Interesses der Akteure im Gesundheitswesen. Dabei waren alle gefordert und mussten eingebunden werden: Leistungserbringer, Kostenträger und Patientinnen und Patienten. Für die GVG war die Qualität der medizinischen Versorgung eines der Klammerthemen, das für die Mitgliedseinrichtungen ebenso relevant war wie für die gesetzliche Renten- und Unfallversicherung. Zudem rückten die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens und die Organisationsreform der Krankenversicherung in den Mittelpunkt der Arbeit der GVG.

Bereits am Ende des letzten Jahrtausends legte die GVG einen gesundheitspolitischen Schwerpunkt auf den Themenkomplex Telematik, eHealth und Telemedizin. Von der Einführung und Nutzung dieser „Werkzeuge“ wird erwartet, dass sie die Herausforderungen für das Gesundheitssystem – demografischer Wandel, medizinischer Fortschritt, Kostensteigerungen – lösen helfen. Seit 1999 begleitet die GVG strategisch den Aufbauprozess der Telematikplattform im Gesundheitswesen. Zunächst im Aktionsforum Telematik im Gesundheitswesen (ATG) und von 2005 bis 2016 im Fachausschuss eHealth/Telematik im Gesundheitswesen stellte die GVG eine wichtige Plattform für den Austausch der relevanten Organisationen bereit und trieb das Thema voran. Von 1999 bis 2004 arbeiteten unter dem Dach der GVG die Selbstverwaltungsorganisationen und die private Krankenversicherung im ATG zusammen. Das Telematik-Projekt der GVG bot seinen Trägerorganisationen in diesen Jahren eine kontinuierliche Plattform der Kooperation, des Austauschs und der Abstimmung. Es wurden in dieser Zeit gemeinsame Kernaussagen zu zahlreichen Aspekten erarbeitet. Zudem stellte die GVG mit zahlreichen Konferenzen und Kongressen umfassende und übergreifende Informationen zum Thema eHealth/Telematik bereit. Sie etablierte mit ihrer eHealth-Kongressreihe bis 2014 eine in Deutschland entscheidende Kommunikationsplattform.