Die Daten zur geburtshilflichen Versorgung in Deutschland sind lückenhaft. Wichtige Informationen zu Schwangerschaft, Geburt und der Versorgung von Müttern und Neugeborenen liegen häufig nur verstreut in nicht verknüpfbaren Datensilos vor – und bleiben damit oft ungenutzt.
Das war der Anlass für eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe aus der AG Geburt des Forums Gesundheitsziele der GVG hier fachlich fundierte Vorschläge vorzulegen, um eine verbesserte Analyse, Forschung und damit auch Qualität von Gesundheit rund um die Geburt zu ermöglichen. Die Mitglieder unseres Forums Gesundheitsziele haben diese Vorschläge aufgenommen und sich eindeutig positioniert: Wir fordern ein zentrales Geburtenregister, das diese Daten erstmals zusammenführt und für eine bessere Versorgung nutzbar macht. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Versorgung, Forschung, Selbsthilfe und Krankenkassen setzen wir uns dafür ein, die Geburtshilfe nachhaltig zu verbessern – für jede Mutter und jedes Kind.
Die aktuelle Situation zeigt deutlich, wie dringend Verbesserungen gefragt sind. Totgeburten nehmen seit Jahren zu, die Frühgeborenenrate ist überdurchschnittlich hoch und die Säuglingssterblichkeit stagniert auf mittlerem Niveau – mit teils erheblichen regionalen Unterschieden. Gleichzeitig fehlen verlässliche, verknüpfte Daten, um die Ursachen zu verstehen und gezielt gegenzusteuern. Viele zentrale Fragen der Versorgung bleiben damit unbeantwortet.
Ein nationales Geburtenregister ist deshalb der entscheidende Schritt nach vorn. Es ermöglicht, die Versorgung rund um die Geburt ganzheitlich zu verstehen und gezielt weiterzuentwickeln. Erfahrungen aus anderen medizinischen Bereichen zeigen bereits: Gute Daten schaffen Transparenz, verbessern Qualität und können Leben retten.
Um die Umsetzung voranzubringen, braucht es jetzt klare nächste Schritte. Eine Expert:innenkommission soll die Grundlagen erarbeiten – von einem einheitlichen Datensatz über die technische und organisatorische Umsetzung bis hin zu rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen.
Am Ende steht ein klares Ziel: Jede Geburt verdient die bestmögliche Versorgung. Ein zentrales Geburtenregister schafft die Grundlage dafür – für mehr Sicherheit, bessere Entscheidungen und gesündere Starts ins Leben. Jetzt ist der Moment, die Weichen dafür zu stellen.
Stimmen von beteiligten Expertinnen und Experten zur Einführung des zentralen Geburtenregisters:
Prof. Dr. Günter Heller, IQTIG (Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen):
„Der große Informations- und Forschungsbedarf in diesem Bereich lässt sich objektiv auch an der großen Zahl von Anträgen zur sekundären Datennutzung beim Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) ablesen.“
Prof. Dr. Mechthild Groß, Medizinische Hochschule Hannover, Forschungs-/Lehreinheit Hebammenwissenschaft:
„Insbesondere die skandinavischen Länder zeigen mit ihrer jahrzehntelangen Expertise mit Geburtenregistern wie Fragestellungen aus dem Bereich der Kinderheilkunde, Hebammenwissenschaft und Geburtshilfe länderübergreifend verglichen werden können. “
Prof. Groß verweist hier z.B. auf die Arbeit von Swift et al. “Birth interventions and outcomes among first time mothers: A population-based register study in four Nordic countries.” Sex Reprod Healthc. 2026 Jan 18;47:101185. doi: 10.1016/j.srhc.2026.101185
Anke Wiemer, QUAG e.V. (Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe):
„Aus der interdisziplinären Arbeit von Ärzt*innen, Hebammen, Gesundheitswissenschaftler*innen, Eltern, Krankenkassen und anderen Organisationen für die Umsetzung des nationalen Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt“ gibt es neben einigen anderen ein wichtiges Ergebnis: zusammengeführte Daten in einem nationalen Geburtenregister. Nun ist die Politik gefordert, sich neben den genannten Akteuren, weiterhin für die Umsetzung der Arbeitsergebnisse und für die Gesundheit rund um die Geburt zu engagieren.“
Dr. Dagmar Hertle, Barmer und bifg – Barmer Institut für Gesundheitsforschung):
„Schwangerschaft und Geburt ist der häufigste Behandlungsanlass in unserem Gesundheitswesen. Deutschland sollte in diesem wichtigen Versorgungsbereich international anschlussfähig sein“
Katharina Desery, Elternorganisation Mother Hood e.V.:
„Solange uns keine vollständigen Daten vorliegen, können wir die Qualität der Versorgung rund um die Geburt und ihre Folgen für Mutter und Kind nicht umfassend bewerten und verbessern“
Frau Desery hebt insbesondere hervor, dass folgende Aussage aus dem Papier für Sie zentral ist: „Aussagen zur Qualität der Versorgung rund um die Geburt, zu kurz- mittel- und langfristigen Outcomes und zum Wohlbefinden von Mutter und Kind sind immer nur punktuell möglich.“