Am 30. März fand im Rahmen des Frauenmonats ein Lunch & Learn mit dem Fokus auf geschlechtersensible Medizin statt. Diese untersucht, wie biologische Faktoren (Sex) und soziale Aspekte (Gender) Krankheiten, Diagnosen und Therapien über den gesamten Lebensverlauf hinweg beeinflussen.
Frau Prof. Dr. Sabine Oertelt-Prigione ermöglichte uns dabei wertvolle Einblicke in aktuelle Forschung und Daten zu diesem wichtigen Thema. Sie ist Lehrstuhlinhaberin für Gender in Primary and Transmural Care an der Radboud University in Nijmegen (Niederlande) und hat seit 2021 die Professur für Geschlechtersensible Medizin an der Universität Bielefeld inne.
Zu Beginn ihres Vortrags erläuterte Frau Prof. Dr. Oertelt-Prigione, was geschlechtersensible Medizin bedeutet und warum sie von hoher Relevanz ist. Viele Erkrankungen zeigen geschlechtsspezifische Unterschiede: So äußern sich Herzinfarkte bei Frauen häufig mit anderen Symptomen als bei Männern, während Männer Diagnosen wie Osteoporose oft später erhalten, da diese Erkrankung als „typisch weiblich“ gilt. Solche Unterschiede können zu Fehldiagnosen, verspäteter Behandlung und schlechteren Behandlungsergebnissen führen.
Darüber hinaus wurde deutlich, dass es ernsthafte gesundheitliche Folgen haben kann, wenn Geschlecht in Forschung und Behandlung nicht berücksichtigt wird. Zu den Risiken zählen unter anderem vermehrte Nebenwirkungen von Medikamenten sowie eine erhöhte Sterblichkeit durch ungeeignete Therapien. Am Beispiel verzerrter Daten in Gesundheits-Apps und KI-Systemen wurde zudem aufgezeigt, welche Konsequenzen entstehen, wenn das Geschlecht in Datensätzen nicht ausreichend berücksichtigt wird.
Abschließend betonte Frau Prof. Dr. Oertelt-Prigione, dass sich auch die langfristigen Auswirkungen von Krankheiten unterscheiden. Nach Krebserkrankungen verlieren Männer beispielsweise häufiger soziale Rollen und Funktionalität. Dies könnte auch ein Hinweis darauf sein, wie stark gesellschaftliche Rollenbilder die Gesundheit beeinflussen können.
Sie spricht sich klar für geschlechtersensible Therapien und einen geschlechtergerechten Zugang zu Gesundheitsleistungen aus. Nur so können Diagnosen präziser, Therapien wirksamer und die Gesundheitsversorgung insgesamt gerechter werden.
Wir bedanken uns bei den Teilnehmer:innen des Lunch & Learn und insbesondere bei Frau Prof. Dr. Oertelt-Prigione für den interessanten Vortrag!
Das Format Lunch & Learn richtet sich exklusiv an unsere GVG-Mitglieder und bietet die Möglichkeit, die Mittagspause für eine kompakte fachliche Lerneinheit zu nutzen. Bei Fragen oder Anregungen kommen Sie gerne auf uns zu.