Ausschuss Gesundheit und Pflege tagt zur Reform der Primärversorgung

15.10.2026

Anlässlich des im November erwarteten Entwurfs zum Primärversorgungsgesetz fand am 6. Oktober in den Räumlichkeiten des GKV-Spitzenverbands eine Präsenzsitzung des GVG-Ausschusses Gesundheit und Pflege unter dem Vorsitz von Andreas Storm (DAK-Gesundheit) statt.

Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie kann eine stärkere Primärversorgungsorientierung zu mehr Effizienz und Qualität im deutschen Gesundheitswesen beitragen?

Die ambulante Versorgung ist das Herzstück unseres Gesundheitswesens: Jährlich gibt es nahezu 600 Millionen Behandlungsfälle und rund 1,5 Milliarden Arzt-Patienten-Kontakte. Je mehr Praxen und Fachdisziplinen beteiligt sind, desto größer wird der Bedarf an Koordination und Steuerung. Gleichzeitig treffen steigender Versorgungsbedarf und Fachkräftemangel auf eine im europäischen Vergleich hohe Inanspruchnahme medizinischer Leistungen.
Der Handlungsbedarf ist weitgehend unbestritten, bei der konkreten Ausgestaltung gibt es jedoch unterschiedliche Ansätze.

Wir hatten die große Freude, ausgewiesene Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Perspektiven in Präsenz und digital zu begrüßen:

Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, plädierte für Primärversorgung als Regelfall mit der Hausarztpraxis als zentralem Einstieg und definierten Versorgungspfaden. Perspektivisch könne dabei auch eine KI-basierte Ersteinschätzung unterstützen.

Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, stellte das Konzept einer digital gestützten Primärversorgung mit folgenden zentralen Bausteinen vor: ein Navigationstool, eÜberweisung und ein bundeseinheitliches Terminverzeichnis.

Prof. Dr. Christian Karagiannidis, Intensivmediziner und wissenschaftlicher Experte für Versorgungsstrukturen an der Universität Witten/Herdecke, sprach sich für einen Digital-first-Ansatz mit KI-gestützter Diagnostik aus und gab Einblicke in die Erfahrungen anderer europäischer Primärversorgungssysteme hinsichtlich ihrer Erfolgswerte.


So unterschiedlich die Perspektiven und Lösungsansätze auch waren, einen Punkt teilten alle Positionen: Primärversorgung braucht Verbindlichkeit. Sie kann auch dazu beitragen, das Vertrauen der Patientinnen und Patienten in das deutsche Gesundheitswesen und seine Institutionen zu stärken.

Herzlichen Dank an unsere Referierenden, an den GKV-Spitzenverband als Gastgeber und an alle Teilnehmenden für die engagierte und konstruktive Diskussion.

Als GVG-Ausschuss Gesundheit und Pflege werden wir die Entwicklungen weiterverfolgen und den institutionsübergreifenden Austausch als Plattform für unterschiedliche Perspektiven weiter fördern.