Häusliche Versorgung zukunftsfähig gestalten - vorhandene Potenziale besser nutzen

Interview mit Frank Tams; Geschäftsführer der zeitreicher GmbH

28.10.2026
© Zeitreicher 2026

Herzlich willkommen bei der GVG!

GVG: Könnten Sie die zeitreicher GmbH kurz vorstellen? Was sind Ihre zentralen Aufgaben und Ziele?

Frank Tams: Die zeitreicher GmbH ist ein bundesweit tätiger Spezialist für die Organisation und Steuerung häuslicher Versorgungsleistungen.

Seit 2011 verfolgen wir ein klares Ziel: Menschen sollen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um selbstbestimmt in ihrem gewohnten Umfeld leben und ihren persönlichen und familiären Alltag aufrechterhalten zu können.

Dafür organisieren wir bundesweit häusliche Versorgung mit rund 15.000 regionalen Dienstleistungsunternehmen. Wir sind kein Vermittler, sondern übernehmen Verantwortung für Organisation, Begleitung und Qualität der Versorgung.

Darüber hinaus verstehen wir uns als Lösungspartner unserer Kostenträger. Gemeinsam entwickeln wir neue Versorgungsmodelle und gestalten Prozesse so, dass Abläufe einfacher, effizienter und ressourcenschonender werden.

Denn entscheidend ist nicht allein, welche Leistungen Menschen zustehen, sondern was und wann tatsächlich bei ihnen ankommt.

GVG: Welche Themen beschäftigen zeitreicher derzeit besonders – und welche Entwicklungen beobachten Sie in der häuslichen Versorgung?

Frank Tams: Der Unterstützungsbedarf wächst, während Personal und finanzielle Mittel begrenzt sind.

Statt ausschließlich über fehlende Kapazitäten zu sprechen, müssen wir vorhandene Potenziale besser nutzen.

Viele regionale Unternehmen verfügen über wertvolle Ressourcen, finden aber nur schwer Zugang zum Gesundheits- und Sozialsystem.

Wir erschließen diese Potenziale, qualifizieren Partner und schaffen digitale und organisatorische Strukturen für eine verlässliche Versorgung.

GVG: Die Zukunft der sozialen Sicherung ist ein wichtiges gesellschaftliches Querschnittsthema. In der GVG kommen Akteure aus Sozialversicherung, Gesundheitsversorgung, Versicherungswirtschaft, Wissenschaft, Sozialpartnerschaft und weiteren Bereichen zusammen. Was hat zeitreicher dazu bewogen, Mitglied der GVG zu werden – und welche Perspektive möchten Sie in den gemeinsamen Austausch einbringen?

Frank Tams: Wir wissen aus der täglichen Praxis, was bei den Menschen tatsächlich ankommt – und wann. Wir erleben, wo komplexe Antragsverfahren, regionale Unterschiede, vielfältige gesetzliche und private Trägerstrukturen sowie ein unübersichtlicher Anbietermarkt Versorgung verzögern.

An der Schnittstelle zwischen Kostenträgern, Leistungsempfängern und regionalen Leistungserbringern erkennen wir Versorgungslücken, ungenutzte Potenziale und Möglichkeiten, Versorgung besser, schneller und wirtschaftlicher zu organisieren.

Wir wollen Veränderungen nicht nur fordern. Wir entwickeln seit Jahren praktische Lösungen, erschließen regionale Ressourcen und setzen neue Ansätze bereits heute um.

Dieses Wissen und unsere Gestaltungskompetenz möchten wir in die fachübergreifende Arbeit der GVG einbringen und gemeinsam die Weiterentwicklung der sozialen Sicherung voranbringen.

Denn bessere Versorgung und ein verantwortungsvoller Umgang mit finanziellen Mitteln sind keine Gegensätze. Wir möchten gemeinsam zeigen, wie beides gelingen kann.

GVG: Häusliche Versorgung ist für viele Menschen eine wichtige Voraussetzung dafür, möglichst lange selbstbestimmt im eigenen Zuhause leben zu können. Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird?

Frank Tams: Ein Leistungsanspruch allein stellt noch keine Versorgung sicher. Entscheidend ist der tatsächliche Bedarf des Menschen.

Wir denken Versorgung konsequent vom Bedarf der Menschen her – mit dem Anspruch, ihnen genau die Unterstützung zu ermöglichen, die wir uns in einer vergleichbaren Situation selbst wünschen würden.

Dafür braucht es einfache Zugangswege, passende regionale Angebote und eine verantwortungsvolle Steuerung.

Gerade in belastenden Lebenssituationen sollten Betroffene und Angehörige nicht zusätzlich Zuständigkeiten klären und Dienstleister suchen müssen.

Deshalb begleiten wir die Menschen während des gesamten Versorgungszeitraums und organisieren verlässliche Unterstützung.

GVG: Die zeitreicher GmbH koordiniert ein bundesweites Netzwerk von Dienstleistungsunternehmen und begleitet den Prozess von der Bedarfsanalyse über die Organisation bis zur Qualitätssicherung und Abrechnung. Wo liegen die größten Herausforderungen – und was braucht es für eine verlässliche Versorgung?

Frank Tams: Die größte Herausforderung ist die enorme Vielfalt in der häuslichen Versorgung. Regionale Verfügbarkeiten unterscheiden sich erheblich, Bundesländer und Kostenträger stellen unterschiedliche Anforderungen und es fehlen übergreifende Standards für Leistungen, Prozesse und Qualität.

Ein großes Netzwerk allein schafft unter diesen Bedingungen noch keine verlässliche Versorgung. Entscheidend ist, vorhandene Ressourcen systematisch zu erschließen, Dienstleister zu qualifizieren und Kapazitäten gezielt dorthin zu steuern, wo sie gebraucht werden.

Genau darin investieren wir seit Jahren. Wir erfassen Leistungsangebote und Verfügbarkeiten, qualifizieren unsere Partner und schaffen verbindliche Qualitäts- und Hygieneanforderungen. So machen wir aus einem bundesweiten Netzwerk eine professionell gesteuerte Versorgungsstruktur.

Unsere Erfahrungen zeigen, wie sich häusliche Versorgung auch unter komplexen Rahmenbedingungen zuverlässig organisieren lässt. Dieses Wissen möchten wir in die GVG einbringen und damit Impulse für gemeinsame, übergreifende Standards und zukunftsfähige Versorgungsstrukturen setzen.

GVG: Welche Rolle spielen Digitalisierung und persönliche Betreuung bei der Organisation häuslicher Versorgung? Wo kann Digitalisierung Prozesse verbessern – und wo bleibt der persönliche Kontakt unverzichtbar?

Frank Tams: Digitalisierung und persönliche Betreuung gehören für uns zusammen.

Mit eigenen, bereits eingesetzten digitalen Lösungen vereinfachen wir die Zusammenarbeit mit Kostenträgern und Dienstleistungsunternehmen, schaffen Transparenz und entlasten die Sachbearbeitung.

Digitalisierung und KI dürfen jedoch kein Selbstzweck sein. Ihr Nutzen muss sich in effizienteren Prozessen und wirtschaftlicheren Abläufen zeigen.

Empathie, persönliche Ansprechpartner und menschliche Nähe bleiben dabei unverzichtbar für uns – gerade für Menschen in belastenden Lebenssituationen.

Daher ist unser Ziel: Weniger organisatorischer Aufwand, mehr Zeit für persönliches Kümmern.

GVG: Die Versorgung zu Hause berührt unterschiedliche Leistungsträger und Bereiche der sozialen Sicherung. Wo sehen Sie den größten Bedarf für eine bessere Verzahnung – und welche Veränderungen sind notwendig, damit häusliche Unterstützung auch künftig verlässlich und bedarfsgerecht organisiert werden kann?

Frank Tams: Die größte Chance liegt darin, aus getrennt agierenden Leistungssystemen einen intelligenten, durchgängigen Versorgungsprozess zu entwickeln.

Heute betrachten Kostenträger häufig nur ihren Leistungsbereich. Dabei könnten andere oder zusätzliche Leistungen sinnvoller sein, Doppelversorgung vermieden oder Anschlussversorgung frühzeitig organisiert werden.

Bei uns laufen die Erfahrungen aus unterschiedlichsten Versorgungsbereichen und von gesetzlichen wie privaten Kostenträgern zusammen. Dadurch kennen wir die Besonderheiten, Stärken und Herausforderungen der jeweiligen Systeme und erkennen Potenziale, die über den einzelnen Leistungsbereich hinausgehen. Diese besondere Perspektive möchten wir nutzen, um gemeinsam mit den Beteiligten, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln und Mehrwerte für alle zu schaffen – für Kostenträger, Leistungserbringer und vor allem für die Menschen, die Unterstützung benötigen.

Wir möchten die Logik „ein Kostenträger, ein Versorgungsauftrag“ überwinden und vorhandenes Wissen nutzen, um die unterschiedlichen Welten der sozialen Sicherung miteinander zu verbinden.

Das könnte Versorgung beschleunigen, Versorgungslücken schließen und gleichzeitig Kosten sparen.

 

Informationen zur zeitreicher GmbH:

Die zeitreicher GmbH mit Sitz in Itzehoe organisiert seit 2011 bundesweit häusliche Versorgungs- und Unterstützungsleistungen. Mit einem Netzwerk von rund 15.000 regionalen Dienstleistungsunternehmen verbindet zeitreicher Menschen mit Unterstützungsbedarf, Kostenträger und regionale Leistungserbringer.

Als spezialisierter Partner unterstützt zeitreicher gesetzliche und private Kostenträger dabei, ihre Versorgungsverpflichtungen zuverlässig und wirtschaftlich zu erfüllen. Professionelle Fallsteuerung, Qualitätssicherung und bereits etablierte digitale Lösungen vereinfachen die Zusammenarbeit und entlasten die Sachbearbeitung.

Für Leistungsempfänger bleibt zeitreicher während des gesamten Versorgungszeitraums ein verlässlicher Ansprechpartner. Gleichzeitig erschließt und qualifiziert das Unternehmen regionale Dienstleistungsangebote und macht deren Potenziale für die häusliche Versorgung nutzbar.

So verbindet zeitreicher persönliche Versorgung, wirtschaftliche Organisation und die kontinuierliche Weiterentwicklung einer zukunftsfähigen Versorgungsinfrastruktur.